16.06.1447 – Heute vor 569 Jahren – Hostienraub in Ettiswil


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Als am 23. Mai 1447 vor einem Gottesdienst in der Pfarrkirche von Ettiswil die Hostie verschwunden ist, wird die lebenslustige und unabhängige Anna Vögtlin des Diebstahls verdächtigt. Daraus entsteht eine Legende: Die junge Schweinehirtin Margreth Schulmeister findet die Oblate über Brennnesseln schwebend an einem Schweinepferch, einer leuchtenden siebenteiligen überirdischen Blüte gleich. Der Pfarrer will das Wunder zurück in die Kirche bringen. Als er sechs Stücke aufgelesen hat, bohrt sich das siebte in die Erde. Das Ereignis wird als Wille Gottes interpretiert, an dieser Stelle eine Kapelle zu bauen, die am 6. August 1452 eingeweiht wird. Die Oblatenstücke werden in der Kirche von Ettiswil verehrt. Pilger berichten später von Heilungen.

Hexenverfolgungen

Das Schicksal Anna Vögtlins ist besiegelt. Nachdem sie den Diebstahl gestanden hat, wird sie am 16. Juni 1447 laut Gerichtsprotokoll „wegen Verschreibung an den Teufel Lux, Zusammenkünften mit dessen Kreis in Fronfastennächten und Schadenzauber mit Hilfe geraubter Hostien“ zum Tod verurteilt und vor den Stadtmauern von Willisau als Hexe verbrannt. Die systematische Hexenverfolgung in der Eidgenossenschaft hat um 1400 begonnen und richtet sich anfangs gegen die als Ketzer gebrandmarkten religiösen Gruppen wie die Waldenser. Im 15. Jahrhundert werden auch Einzelpersonen wie Anna Vögtlin verfolgt, die als wunderlich oder unheilbringend betrachtet werden.